Dr. Sabine Pfannenberg (Besuch des Missionsmuseums der Erzabtei St. Ottilien am 18.01.2018 und einer Führung mit Schwerpunkt „Korea Sammlung“ durch Pater Theophil Gaus OSB, Direktor des Missionsmuseums)

Das Missionsmuseum in Sankt Ottilien entstand auf Initiative des Gründers der Abtei, Erzabt Norbert Weber. Es dokumentiert die Geschichte der Missionsarbeit der Benediktiner und beherbergt eine völker- und naturkundliche Sammlung aus den Missionsgebieten des Klosters in Deutsch-Ostafrika*, dem nördlichen Teil von Korea, der Mandschurei und Zululand**.

St. Ottilien ist das älteste Missionshaus in Deutschland. Bereits 1887 brachen Mönche und Ordensschwestern zur Missionsarbeit nach Ostafrika auf. Sie sandten Gegenstände zurück, welche die Lebensweise der Menschen in Afrika veranschaulichen. Die zoologische Sammlung hat einen afrikanischen Schwerpunkt, da sich die Tier- und Pflanzenwelt erheblich von der europäischen und asiatischen unterscheidet. Alle Tiere sind in lebensnahen Stellungen präpariert. In den 1920er Jahren wurde das bisherige Afrikamuseum um die koreanische Sammlung erweitert. Diese zeigt viele Kostbarkeiten aus dem alten Korea, die Erzabt Norbert Weber auf seinen Missionsreisen erworben und zusammengetragen hat.

  

Die zunächst für den internen Gebrauch und besondere Gäste genutzte Sammlung wurde 1922 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Bestände wurden stetig durch Einsendungen aus den Missionsklöstern sowie Geschenken an die Äbte ergänzt. Seit der umfassenden Sanierung zwischen 2011 und 2015 sind sowohl das Museum als auch das Depot klimatisiert. Darüber hinaus wurde das museumspädagogische Konzept modernisiert und um das Thema „Missionsarbeit“ erweitert.

  

Besonders eindrucksvoll ist die Koreasammlung des Missionsmuseums. Sie umfasst an die 1000 Exponate von Gemälden, über Skulpturen, Keramiken, Landkarten, Büchern, Kunsthandwerk, Gewändern bis hin zu Musikinstrumenten. Die Objekte vermitteln wertvolle Kenntnisse zur Religion, zum koreanischen Alltagsleben sowie zu Landwirtschaft, Brauchtum, Musik, sowie Hochzeits- und Beerdigungsriten. Imposant ist die Weltkarte der Noseon Dynastie von 1860 und die vergoldete Holzfigur des Amitabha Buddha aus dem 16. – 17. Jhd.

Zusätzlich ist die Abtei im Besitz wertvoller Dokumentarfilmaufnahmen, die Norbert Weber in Korea gedreht hat. Sie finden heute noch weltweit Beachtung und gelten in Korea als nationales Kulturgut.

Seit der Gründung der ersten Niederlassung in Seoul 1909, ist die Beziehung zwischen Korea und der Erzabtei St. Ottilien immer intensiver geworden. Die Koreasammlung ist zum Kristallisationspunkt eines lebendigen Austausches zwischen Koreanern und Deutschen geworden. Sei es beim Studium der Objekte oder durch Unterstützung von Leihgaben für Ausstellungen. Einige der Exponate wurden nach Konservierung als Dauerleihgabe an Südkorea zurückgegeben. Auch hat das Kloster geholfen die Werke des koreanischen Patrioten Mirko Lin (1899-1950) zu veröffentlichen.

 

 

* ehem. deutsche Kolonie 1885-1918. Umfasste die heutigen Länder Tansania, Burundi, Ruanda und einen Teil Mosambiks

**ist ein Distrikt innerhalb der Provinz KwaZulu-Natal in Südafrika, ehemals Königreich Zululand

Literatur: 

www. Missionsmuseum.de

Koreanische Kunstsammlung im Missionsmuseum der Erzabtei St. Ottilien, ISBN 978-3-8306-7754-3

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