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Die Kapelle St. Michael ist ein Satteldachbau mit geradem Schluss mit Ausstattung Ende 17.Jhd. und 2. Hälfte des 18. Jhd. „Wegkapellen“ sind kleine Kapellen, die oft an Abzweigungen oder historisch bedingten Standorten errichtet wurden. Manche Kapellen gehen auf überdachte und umbaute Wegkreuze und -steine zurück. Die Kapelle in Holzhausen wurde 1697 vom Besitzer des Hofes Nr. 5. ("Beim Bauern") erbaut und dem hl. Michael gewidmet, dessen Figur nach dem Krieg gestohlen wurde. Durch die Kapelle hindurch (!) führte einst der öffentliche Weg von Rieden nach Diessen. (Neu, 1976)

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Altar
Der kleine Altar der Kapelle stammt aus der Zeit um 1470. Er war ursprünglich als Flügelaltar mit drehbaren Flügeln konzipiert, darauf lässt die Bearbeitung und Reste der Scharniere schließen. Somit stellt dieser kleine spätgotische Altar eine Rarität in Oberbayern dar. Übermalungen und Schatten ehemaliger Schnitzfiguren zeigen die Darstellung einer Verkündigungsgruppe. Malereien auf der Rückseite deuten darauf hin, dass der Altar ehemals auch von hinten zugänglich war. Dies lässt die Vermutung zu, dass es sich um den früheren Hochaltar der Holzhauser Kirche handelt, der zunächst 20 Jahre ungenutzt, schließlich 1697 für die damals neu gebaute Feldkapelle übermalt wurde.
Bei der Darstellung der Personen in Festtagstracht (links männlich, rechts weiblich) handelt es sich um die Stifterfamilie. (Neu, 1976)

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Totenbretter
Totenbretter stellen im Landkreis Landsberg ebenfalls eine Seltenheit dar. Somit sind die acht Totenbretter der Kapelle, das älteste aus dem Jahr 1823, eine volkskundliche und ortsgeschichtliche Rarität. (Neu, 1976)
Als Totenbretter (Leichenbretter, Rebretter oder Rechbretter) werden Holzbretter bezeichnet, die zum Gedenken an den Verstorbenen am Wegrand aufgestellt wurden.
Dieser Brauch war im 19. Jahrhundert im gesamten bayerischen und alemannischen Raum verbreitet.
Die Sitte geht auf eine Zeit vor der Bestattung in Särgen ab dem 18. Jahrhundert zurück, als die Verstorbenen in der Wohnstube auf Brettern aufgebahrt und schließlich zu Grabe getragen wurden. Abschließend versah man die Bretter mit Widmungen und Gedanken an den Toten. Im Bayerischen Wald kommen diese Erinnerungsmale in Feldhainen und Feldkapellen ziemlich häufig vor, im Gegensatz dazu sind solche Totenbretter in Südbayern nur selten anzutreffen.

Es gibt weder literarische Zeugnisse noch Bildquellen, die für ein Aufkommen dieses Brauchs vor der Wende zum 19. Jahrhundert sprechen Somit ist der in Bayern verbreitete Kult ist auf vor- oder frühgeschichtliche Zeit zurückzuführen. (Metken, 1988)
Das älteste noch erhaltene Totenbrett in Bayern (1796) wurde in der Kirche von Unterlaus bei Bad Aibling gefunden. (Neu, 1976). Mit der Einführung der Bestattung in Särgen ging dieses Brauchtum zunehmend verloren und ist heutzutage ausgestorben.

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Die Bestattung der Toten geschah bis in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts nicht in Särgen sondern die Leichen (Mittelhochdeutsch „re“) wurden auf einem Brett hergerichtet, aufgebahrt und, in ein Leichentuch eingenäht, beerdigt. (Schober, 1924)
Wenn der Leichnam nicht mit dem Brett beerdigt wurde, schob man den Toten mit den Füßen voraus ins Grab und zog das Brett wieder heraus. Davon zeugt auch der Ausdruck für einen Verstorbenen: „Er hat vom Brettl rutschen müssen“ (Schober, 1924)

Nach neueren Forschungen hat sich das Totenbrettbrauchtum grundsätzlich in 2 Phasen entwickelt, wobei man die ältere als Aberglauben-Stufe und die jüngere als Gedenk-Stufe bezeichnet. (Rusch-Hälg, 1998)
Bei der älteren geht man davon aus, dass nach damaliger Vorstellung der Tod einen Übergang in eine andere Lebensform im Jenseits darstellt und das Totenbrett als Brücke fungiert.

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Aus Furcht vor einer möglichen Rückkehr wurde alles getan, um die bestehende Bindung zum Dahingeschiedenen zu lösen. Das Totenbrett wurde zum Verschwinden gebracht. (Rusch-Hälg, 1998)
Üblicherweise wurde das Brett verbrannt, man ließ es auf dem Friedhof liegen und verwittern oder verwendete es erneut. (Schober, 1924)
Vielfach wurden die Bretter auch über Gräben, Bäche und sumpfige Stellen gelegt, symbolisch als Brücke für die Seelen der Verstorbenen auf dem Weg ins Jenseits. Die Bretter waren schmucklos, einfach, höchstens mit drei Kreuzen (dort wo Sich ehemals der Kopf des Toten befand) versehen. Sie sollten möglichst schnell vermodern und verfaulen, denn nur dann konnte die Seele nach herrschendem Volksglauben ihre Ruhe finden. Ein Gebet des darüber Gehenden half dem Toten bei seiner Reise. Die aufgemalten Kreuze bezeichneten den Zufluchtsplatz der Seele und durften nicht betreten werden. (Staniczek)
Im Laufe der Zeit wandelte sich die Furcht in Liebe und Fürsorge. Der Einfluss der Kirche war hier maßgeblich beteiligt, da diese das alte Brauchtum nicht ablehnte sondern ihm eine neue, christliche Form gab. (Rusch-Hälg, 1998)
Allmählich entwickelte sich der Brauch, die Aufbahrungsbretter nach Gebrauch zu bemalen, mit einer Inschrift zu versehen und sie als Erinnerungsmale im Freien aufzustellen. (Staniczek)
In der Literatur gilt die liegende Form der Aufstellung als die ursprüngliche. Erst in der Mitte des letzten Jahrhunderts beginnt die stehende Aufstellung, möglicherweise weil sie dekorativer erschien. Dabei vollzog sich die Änderung der Aufstellung von Süden nach Norden. (Staniczek)
In Bayern gruppierte man die Bretter an bestimmten Stellen der Ortsflur, Kapellen, Feldkreuzen, Kirchwegen, alten Bäumen oder dem eigenen Hof und schuf so eigentliche Kultorte. (Rusch-Hälg, 1998)

Da mit der Einführung des Sarges im Bayerischen Wald und südlich der Donau ein Totenbrett nicht mehr nötig war, verwendete man ein herkömmliches Holzbrett als Gedenkzeichen für die Verstorbenen, um die Erinnerung wach zu halten und die vorübergehenden zu mahnen Ihnen Fürbitten zu spenden. (Schober, 1924)
Die farbliche Ausgestaltung entwickelte sich im Zuge der Verwandlung zum Gedenkbrett. (Rusch-Hälg, 1998) Man fing an das Brett zu hobeln, die Ecken wurden entfernt. Oben wo der Kopf des Verstorbenen ruhte, wurde es teilweise abgerundet oder in der Länge variiert. Sie wurden mit christlichen Emblemen oder floralen Motiven bemalt, häufig mit Namen und Lebensdaten der Verstorbenen versehen und mit Gebeten beschriftet. Totenschädel und gekreuzte Knochen unterstrichen die „Mementum mori“ Funktion. (Inauen, 2017)
Danach wurde das Totenbrett aufgestellt und dem Wetter überlassen. Sie verblichen brachen aus ihrer Befestigung, zerfielen und vermoderten. Sinnbildlich für die endende Leidenszeit der Seele im Fegefeuer mit dem Zerfall des Brettes. Deshalb wurden sie auch nicht mehr renoviert oder restauriert. (Staniczek)

Schweiz
In der Schweiz wie zum Beispiel im St. Gallener Fürstentum waren die Totenbretter ebenfalls bekannt und wurden, wie in Bayern an Zäunen und Wegen befestigt. (Inauen, 2017)
Im Gegensatz dazu heftete man sie in Appenzell Innerrhoden, zur Erinnerung an die Verstorbenen, ausschließlich an Hauswände. So sollten die Toten, nach der damaligen Glaubensvorstellung, daran gehindert werden in ihr Haus zurückzukehren. (Inauen, 2017)
“Der Tote sähe ja dann selbst, dass er tot sei und nicht wiederzukehren habe“. (Rusch-Hälg, 1998)
Als Standort wurde daher eine wettersichere, schutzbietende Örtlichkeit, wie etwa die Südseite des Hauses oder ein regensicherer Dachvorsprung gewählt. (Rusch-Hälg, 1998)
Das älteste erhaltene Brett stammt aus dem Jahr 1846, das jüngste aus 1901. (Inauen, 2017)
Die wenigen weiteren datierten Rebretter, die in Privatbesitz sind, stammen aus der gleichen Zeitspanne. Das deutet darauf hin, dass der Brauch nur gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also während rund 50 Jahren, ausgeübt wurde. Die meisten Rebretter sind in Brülisau und im Bezirk Schlatt-Haslen belegt. Im Dorf Appenzell selbst ist kein Totenbrett nachgewiesen.

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Literaturverzeichnis
Inauen, R. (Nr. 28 2017). Rebretter - Die letzten Zeugen eines ausgestorbenen Totenbrauchs in Appenzell. -Bundesanstalt für Bevölkerungsschutz - Schweiz, S. 50-52.
Metken, S. (1988). Die letzte Reise. München: Hugendubel Heinrich GmbH.
Neu, W. (1976). 1200 Jahre. In W. Neu, 1200 jahre Holzhausen am Ammersee 776-1976 (S. 88). St Ottilien : EOS Druck St. Ottilien .
Rusch-Hälg, D. C. (38 1998). Das Totenbretter (Rebretter) Brauchtum in Appenzell Innerrhoden. Innerrhoder Gechichtsband - St. Gallen, S. 140-147.
Schober, J. E. (1924). Totenbretter der Umgebung Landsberg. Landsberger Geschichtsblätter, 4.
Staniczek, P. (Heimatforscher). Heimat - NOW. Abgerufen am 28. 08 2018 von Heimat - NOW: http://www.heimat-now.de

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