Burg- und Schatzberg Dießen

Südwestlich des Marktes Dießen am Ammersee erstreckt sich ein bewaldetes Hügelgebiet, dessen zwei höchste und steilste Erhebungen heute als „Burgberg“ (nördlich) und „Schatzberg“ (südlich) bezeichnet werden.

Burgberg: An der Stelle der ehemaligen Burg „Shonenberch“ ist heute eine Art „Krater“ (durch Kiesabbau entstanden), dessen oberer Rand nach Norden, Osten und Süden aber noch Spuren von Tuffsteinverwendung zeigt und demnach auch den Rand der Burg gebildet haben dürfte. Das ehemalige Burgplateau war nach drei Seiten von steilen Abhängen umgeben, also gut zu verteidigen. Der einzige einigermaßen flache Zugang nach Südwesten war durch einen Halsgraben gesichert, der in Teilen noch sichtbar ist.
Die in der Nähe stehende sog. „Burgkapelle“ hat mit der mittelalterlichen Burg nichts zu tun, sondern wurde erst 1792 erbaut und 1862 zur heutigen Größe erweitert. Am Rande des ehemaligen Burgplateaus wurde 1999 vom MTV-Diessen eine bronzene Gedenktafel auf einigen Tuffsteinquadern befestigt, die ihrerseits aber auch nichts mit der ehemaligen Burg zu tun haben.



Schatzberg: Als „Schatzberg“ wird mindestens seit dem späten 18. Jhd. eine aus Nagelfluh bestehende Kuppe südlich des Burgbergs bezeichnet. Auch hier haben sich von der ehemaligen Bebauung nur vereinzelte Tuffsteinbrocken erhalten. Vom Schatzberg aus hatte und hat man einen fantastischen Blick über das gesamte Ammermoor bis zum Hohen Peißenberg und zu den Alpen. Feinde, die sich von hier (z.B. über die antike Römerstraße) näherten, konnten frühzeitig entdeckt werden. Die einzige historische Quelle, eine Urkunde von 1158, berichtet von der Zerstörung der Burg „Shonenberch“. Graf Heinrich von Wolfratshausen aus der Familie der Grafen von Dießen-Andechs vermachte durch diese Urkunde seinen gesamten Besitz in und um Dießen dem dortigen, von seiner Familie gestifteten Kloster. Wörtlich heißt es in der Urkunde:

„Er übergab auch jene auf den Bergen gelegene Burg, die Shonenberch genannt wird, und den benachbarten Berg, der Iringisperg heißt, und die angrenzenden Äcker gegen Wengen zu. Und zwar zu dem Zweck, dass, nachdem die Burg zerstört würde, sich in alle Zukunft niemand mehr erlaube, die genannten Berge wieder aufzubauen.“

„Shonenberch“ und „Iringisperg“ gingen also 1158 in das Eigentum des Dießener Augustiner-Chorherrenstifts über, allerdings mit der strengen Auflage, die alte Burg völlig zu zerstören. Hierdurch wollten die Grafen sicherstellen, dass ein eventuell auftauchender Feind sich nicht in der alten Burg festsetzen und von dort aus die Burg Andechs, wo die Grafen inzwischen saßen, belagern könnte.

Mit sprachlichen Mitteln gibt die (im Original lateinisch geschriebene) Urkunde verschiedene Hinweise auf den damaligen Zustand der beiden genannten Örtlichkeiten: Beide werden sie als Berge („montes“) bezeichnet. Der „Shonenberch“ wird aber „urbs“ genannt, also „befestigte Stadt“ oder „Burg“, was auf eine größere, damals noch bestehende ummauerte Anlage schließen lässt. Dagegen nennt die Urkunde den „Iringisperg“ lediglich „Berg“ („mons“), wohl um auszudrücken, dass dort keine größeren Gebäude oder nur noch unbedeutende Ruinen einer älteren Burg standen. Deshalb fordert die Urkunde auch, eine Burg, nämlich die auf dem heutigen „Burgberg“, zu zerstören.

Zu den beiden Namen: „Shonenberch“ bedeutet einfach „Schönenberg“, im Mittelalter ein sehr verbreiteter Burgenname. Allerdings stand das Adjektiv „schön“ damals weniger für ein ästhetisches als für ein qualitatives Urteil. Die Burg wird also als „gut“ oder „nützlich“ charakterisiert. Schwieriger zu erklären ist der Name „Iringisperg“. Er geht auf den seit karolingischer Zeit häufigen Personennamen „Iring“ zurück. Nun scheint es so, dass der Name „Iring“ im Umfeld der Familie der Grafen von Dießen-Andechs recht häufig vorkam: Das heutige „Eurasburg“ bei Wolfratshausen hieß im 12. Jhd. noch „Iringisburch“. Das würde bedeuten, dass es sowohl bei der Stammburg der Dießen-Andechser in Dießen, als auch bei ihrer Nebenlinie von Wolfratshausen eine „Iringisburg“ gab. Einer der Grafen von Dießen wurde in einem Ort namens „Yringisheim“ ermordet. Es spricht also manches dafür, dass die Grafen von Dießen Erben oder Nachfolger einer Familie waren, die sich „Iring“ oder „die Iringe“ nannten und die ihre Burg auf dem heutigen „Schatzberg“ hatte.

Nach 1158 wurde die Burg auf dem Burgberg abgetragen, aber nicht vollständig und schon gar nicht gründlich. Noch auf den „Landtafeln“ von Philipp Apian (1568) sind zwei ruinöse Gebäude zu erkennen, zu denen Apian schreibt: „Von hier aus südlich sieht man in einem Wald, der Schonperg genannt wird, die Spuren zweier Burgen auf Hügeln, von denen der eine Pürg, der andere Horle [Hörnle] heißt. Einst saßen an dieser Stelle die Grafen von Dießen und Andechs ...“

Als 1645 im Westen von Dießen die Maria-Schnee-Kapelle von Bischofsried erbaut wurde, konnte man aus den Grundmauern der ehemaligen Burg noch Baumaterial herausgraben, das auf zwanzig Lastkarren zur Baustelle der Kapelle transportiert wurde. Auch noch im frühen 20. Jhd. konnten dort Tuffquader entnommen werden.
Seit 1860 wurde der Burgberg zum Zwecke der Kiesgewinnung weitgehend abgetragen, so dass nur noch der erwähnte „Krater“ erhalten blieb.

Ausschnitt aus Philipp Apians Holzschnitt-Karte („XXIIII Bairische Landtafeln“) von 1568

Ausschnitt aus Philipp Apians Handskizzen zur großen Bayernkarte,
entstanden 1554 bis 1561 (Bayerische Staatsbibliothek München, Cod. Icon. 142)

Ausschnitt aus der von Franz Xaver Pusch gefertigten Kopie nach der verlorenen großen Bayernkarte Philipp Apians, 1756/61

„Burgstall bei Dießen, sog. Nadel“, Plan des Schatzberggipfels (ehemalige „Iringisburg“)
nach einer Zeichnung von Franz Seraphin Hartmann (um 1865), kopiert von Major a. D. Gustav Kraus
(Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege München, Fundplatz 8032/7)

„Grundriß des Terrains der ehemaligen Burg Schöneberg“, bevor mit dem Kiesabbau begonnen
wurde. Nach einer Zeichnung von Franz Seraphin Hartmann (um 1865), kopiert von Major a. D. Gustav
Kraus (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege München, Fundplatz 8032/6)

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